Deutschland wird voraussichtlich seine Klimaziele dieses Jahr übertreffen

Deutschland wird voraussichtlich seine Klimaziele für 2020 übertreffen

Klimakrise: Wegen der Corona droht Deutschland seine Klimaziele für 2020 zu übertreffen. Nachtverkehr auf der Autobahn A4 bei Köln: Der Pkw-Verkehr ist für rund 60% der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor verantwortlich.

Deutschland wird voraussichtlich seine Klimaziele für 2020 übertreffen.

Die Menschen bleiben zu Hause, die Fabriken werden geschlossen: Aufgrund der Krise der Corona werden die CO2-Emissionen in Deutschland bis 2020 voraussichtlich stärker als erwartet sinken. Sind das gute Nachrichten für das Klima? Bis zu einem gewissen Grad.

Auf den ersten Blick scheint es eine gute Nachricht für das Klima zu sein: Weil die Menschen zu Hause bleiben und die Industrie während der Coronakrise weniger produziert, wird Deutschland nach Ansicht von Experten sein Klimaschutzziel bis 2020 sicher erreichen. Je nach Ausmaß der Krise könnte es nicht nur 40 Prozent niedriger sein als 1990, sondern sogar 45 Prozent niedriger, sagte Patrick Graichen, Direktor der Agora in Berlin. Es hätte jedoch wenig Sinn, weniger in klimafreundliche Technologien wie Ökostrom und Elektroautos zu investieren. Im Gegenteil, es könnte dann langfristig den Kampf gegen die globale Erwärmung verlangsamen.

Deshalb appellierte Graichen an die Politiker: Die Konjunkturprogramme müssen grün sein und auf CO2-Einsparungen statt auf Kohle und Öl setzen. Damit steht er nicht allein. Der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sieht die Krise als eine Chance für die Länder, Wachstumspakete für saubere Energie zu schaffen. Umweltverbände und Stiftungen fordern die Bundesregierung und die EU auf, einen europäischen Green Deal – und damit die Treibhausgasneutralität bis 2050 – zum Maßstab für die Wirtschaftshilfe zu machen. “Die grüne Regierung muss die Grundlage für die Entscheidung über jede wirtschaftliche Unterstützung sein”, sagte Lisa Badum von der Grünen Klimapolitik.

Corona könnte die CO2-Emissionen um 120 Millionen Tonnen reduzieren

In diesem Jahr scheint es jedoch ziemlich sicher, dass die CO2-Emissionen deutlich sinken werden. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) lagen die Emissionen im vergangenen Jahr mit 805 Tonnen um 35,7 Prozent unter denen von 1990. Bis 2020 sollen sie um 40 Prozent sinken, was weitere 50 Millionen Tonnen weniger erfordern würde. Aus Sicht von Agora Energiewende wäre dies – je nach Entwicklung der Krise – die Untergrenze – man könnte sich auch eine weitere Reduzierung um 120 Millionen Tonnen vorstellen. Das wären bis zu 45% weniger als 1990:

Verkehr: Die Menschen fahren weniger mit dem Auto, weil sie mehr fahren sollen oder nicht, sagte Herr Graichen. Das setzt die Verkehrsemissionen unter Druck. Der individuelle Autoverkehr ist für etwa 60 Prozent der Treibhausgasemissionen des Sektors verantwortlich. Hier könnten zwischen 7 und 25 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent – die Einheit, in die alle Treibhausgase umgerechnet werden – weniger erzeugt werden.

Industrie: gestörte Lieferketten, Staus, fast keine Aufträge, die Wirtschaft leidet bereits unter der Coronakrise. Die CO2-Emissionen werden reduziert, vor allem wenn energieintensive Grundstoffindustrien wie Stahl, Chemie und Zement weniger produzieren. Nach den Annahmen der Agora ist dies auf die mangelnde Nachfrage zurückzuführen. Das Ergebnis wären 10 bis 25 Millionen Tonnen CO2 weniger.

Stromproduktion: Laut Agora werden bis Ostern etwa 20 Millionen Tonnen CO2 eingespart, da es ziemlich heiß und windig ist und der Gaspreis niedrig ist. Dies setzt die klimaschädlichen Kohlekraftwerke unter Druck. Von Januar bis Mitte März lag der Anteil des Ökostroms bei 52%. Verschärft wird diese Situation jedoch durch den Rückgang der Stromnachfrage aufgrund der Coronakrise. Je nach Szenario könnten schätzungsweise 30 bis 50 Millionen Tonnen CO2 reduziert werden.

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Kritik an diesen Berechnungen kam von dem stellvertretenden FDP-Fraktionsvorsitzenden Frank Sitty. “Es ist trivial und zutiefst zynisch, die Zusammenhänge und möglichen Auswirkungen der aktuellen Krise der Corona auf das Klima in dieser Zeit anerkennen zu wollen”, sagte er. Die Bundesregierung solle sich “jetzt weiter von ihrer Klima-Ideologie entfernen” und beispielsweise die Einführung von CO2-Preisen für Diesel, Benzin und Heizöl aussetzen. Der linke Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin warnte dagegen davor, die Corona und die Klimakrise gegen ihn auszuspielen.

Nicole

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